Ostfriesisches Nationalgetränk mit einem Buchstaben: T

Liebe Leser!

Sicher fragt ihr euch heute: „Was tut die verpeilte Frau Groka da mit der winzigen Suppenkelle? Will die uns Leser zum Essen einladen, ist aber mal wieder pleite und serviert den Steckrübeneintopf deswegen in Fingerhüten?“

Weit gefehlt! Bei diesem neckischen Accessoire handelt es sich um eine Saaahnekelle! Tja, da staunt ihr, nä, was ich alles im Haus habe! Und damit ihr hier im Blog auch mal was lernt, referiere ich heute über die ostfriesische Tee-Etikette!

Für alle Neueinsteiger auf dem Gebiet: Etikette bedeutet hier nicht die kratzigen Schildchen, die man sich hinten aus dem Pullover raus schneidet, sondern wie man sich benimmt. Also, erstmal Fingers ausse Nase, Ellbogen vom Tisch und wir legen los!

Grundsätzlich schenkt in Ostfriesland die Hausfrau den Tee aus, also schön die Finger wech von der Kanne, Selbstbedienung is nich! Weil wir jetzt aber eine Weiber-WG sind, ist bei uns immer gerade die die Hausfrau, die am nächsten dran sitzt. Außer jetzt, diejenige hat beide Arme in Gips, aber das kommt ja höchstselten vor.

Bevor der Tee eingeschonken ( dieses Verb habe ich mit Gewalt gebeugt! ) wird, werden die Kluntje in die Tassen geworfen. Kluntje sind im Rest der Republik auch als „Kandis“ bekannt, in Ostfriesland sind die aber viel größer. Es wurden schon Exemplare gesichtet, die man bei Castortransporten als Pflasterstein einsetzen konnte. Der Kluntje muss mit Schmackes in die dünnwandige Zwergentasse geworfen werden. Gießt man dann den heißen Tee auf, hat der Kluntje zu knacken, ansonsten gilt es, den Pflasterstein aus der Tasse zu entfernen und diesmal einen echten Kluntje zu nehmen.

Sind alle Tassen voll, wird mit der Sahnekelle die ( ungeschlagene! ) Sahne in Wölkchen auf den Tee gelegt. Wir nehmen ungeschlagene Sahne, weil geschlagene mit den ganzen blauen Flecken ja nicht schön aussieht.

Nun beginnt der Glaubenskrieg, eine in Ostfriesland nicht zu unterschätzende Angelegenheit. Umrühren oder nicht? Touristenführer raten dazu, den Tee „in Lagen“ zu trinken, nicht im Liegen. „In Lagen“ meint „nicht umgerührt“. Interlaken hingegen ist eine Stadt in der Schweiz.

Der in Lagen getrunkene Tee ist oben sahnig, mittig schwarz und unten süß. Diese Sitte blieb erhalten aus der Zeit, als Kluntje noch in Gold aufgewogen wurden und ein Kluntje für drei Tassen reichen mußte, denn drei Tassen sind Ostfriesenrecht. Wer zu früh rührte, mußte dann eben zwei bittere Tassen ohne süß trinken. Es geht also die Mär, dass sich als Tourist outet, wer umrührt. Im Hinterland allerdings sind mir selbst schon Ostfriesen begegnet, die fröhlich in der Tasse rühren und nicht rührende Touristen für bekloppt halten.

Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dass wir die erste Tasse überstanden haben, ohne uns das Gesöff auf den Latz zu kippen. Jetzt lauert die Löffelfalle! Wer in Ostfriesland den Löffel in der Tasse läßt, drückt nach dem geheimen ostfriesischen Tee-Code aus: „Lass ma stecken!“ und bekommt nichts nachgeschenkt. Angeblich sind auswärtige Verwandte in einigen Fällen nie wieder gekommen, weil sie den selbst provozierten Affront von der zweiten Runde ausgeschlossen zu werden, nicht verknusen konnten. „Frechheit! Ich hab nur eine Tasse gekriegt! Da geh ich nie wieder hin. Und enterben tu ich die Bagage auch!“ Deswegen gilt Ostfriesland auch als strukturschwach und ist auf VW angewiesen. Die Erbtanten sind alle vertrieben.

Wichtig ist auch zu wissen, dass erst nachgeschenkt wird, wenn alle Tassen leer sind. Das gilt nicht nur in Leer selbst, sondern auch in Aurich. In Jever trinkt man lieber gleich Bier.

Resümierend möchte ich sagen, dass Tee als Nerventonikum und/oder Stärkungsmittel unschlagbar ist. Wenn man regelmäßig seinen Tee schlürft, wird einem klar, wieso beispielsweise die Briten bei Anschlägen in der U-Bahn oder royalen Hochzeiten so gelassen bleiben. Bekommt der Brite seinen Five-o’clock-Tea, kann ihn nichts erschüttern. Allerdings nimmt der Brite seinen Tee zwei Stunden später als der Ostfriese. Das liegt nicht etwa an der Zeitverschiebung, sondern daran, dass der gemeine Ostfriese früher aufstehen muss, nämlich dann, wenn die Kühe morgens die Milch fertig haben. Die Sahne muss ja irgendwo herkommen…

So, jetzt wißt ihr bescheid. Und macht mir keine Schande, wenn ihr das nächstemal in Kaloriensiel ins Café stolpert!

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Das Ostfriesenteemädchen

Lieber Herr Resl, Herr Yps, und alle wie’se da sind!

Nachdem eine hinterhältige Hexe auf mich geschossen hatte und ich mich mit einem Körnerkissen auf dem Buckel vergnügen durfte ( das kommt davon, wenn man nachts bei offenem Fenster lecker am Rechner hockt und rumprotzt, dass man jetzt wieder ganz viel bloggen wird, und dann kriegt man Zuch und peng! ), gibt es heute endlich wieder was lustiges zu berichten.

Ich bin nämlich jetzt Ostfriesenteefrollein! Das wollte ich immer schon mal werden wenn ich groß bin, aber im Pott sind die Brotjobs in ostfriesischen Teestuben ja nun mal rar gesät. Gestern hatte ich meinen ersten Tag und durfte professionell Ostfriesentee zapfen, in einer riesigen Diele von 1851, mit Kamin!, sehr muckelig. Als ich die 5000 Teekännchen im Schrank gesehen habe, bin ich hyperventilierend hinten über gekippt und dachte „Gezz isset so weit, gezz bin ich inne Puppenstube, die ich mir früher nie leisten konnte!“

Ich wollte dann eigentlich gar nicht nach hause und in meiner Diele weiter machen, in der, die wo mal das neue Atelier wird. Da bin ich nämlich gerade damit beschäftigt, dieses hundert Jahre alte Wunderwerk der windschiefen Technik zu entrümpeln, und das ist ein bißchen so wie in einem Horrorfilm aus den Achtzigern – man hat immer ein bißchen Angst, Lebensformen aufzuschrecken, die dann die Weltherrschaft an sich reißen, und dann bin ich schuld! Bis jetzt hab ich aber nur 14.384 Spinnen in allen Formen und Farben aufgeschreckt. Die rennen dann immer schreiend auseinander und finden mich voll ekelig, weil ich so riesig bin und nur zwei Beine und einen Akkuschrauber habe.

Naja, äh, irgendwie werden wir uns schon arrangieren, die Spinnen und ich. Als Erfolgsmeldung kann ich noch vermelden, dass die ersten selbstgesäten Radieschen und Erbsen aus dem Boden gucken, den ich Ostfriesland mit dem Spaten abgetrotzt habe. Das Problem ist nur: Ich hab aber jetzt Hunger! Diese verdammte Landluft… Ich könnte mich auch schon wieder hinlegen… *schnarch* …

Drei Tassen sind Ostfriesenrecht!

Liebe Leser!

*pssst!* Ich bin es, euer Igor! Frau Groka hat mal wieder ihre Geschicklichkeit unter Beweis gestellt und sich selbst mit Strukturpaste an einer Leinwand fest geklebt, das ist die Chance für mich, die Herrschaft im Blog an mich zu reißen!

Ich muss euch gestehen, dass ich etwas verwirrt bin. Inzwischen weiß ja wohl die halbe Welt, dass wir das Grummelkontor verlegen werden, und damit auch meinen Kühlschrank. Frau Groka macht ja immer ein großes Geheimnis und murmelt auf Anfrage immer nur irgendwas von „ungelegten Eiern“, aber jetzt ist es raus. Ich bin dahinter gekommen, weil Frau Groka jetzt einen Online-Kurs für Plattdeutsch belegt hat! Den ganzen Tag geht das jetzt „De Kö sünd swattwitt, swattwitte Kö.“ Weiß der Geier, was das heißen soll…

Aber…es geht nach Ostfriesland. Ich gehe nach Ostfriesland. Ich bin ein PINGUIN! *schrei*

Hat die Frau Groka sich eigentlich mal gefragt, wie ich im Watt tauchen soll? Oder ob ich mir zwischen den ganzen Möwen vielleicht übergewichtig vorkomme? Dass die Boßelkugeln für mich eine Gefahr darstellen könnten? Ob ich mich auf einer Robbenbank vielleicht wie das fünfte Rad am Wagen fühle? Und da sagt Frau Groka noch so zu mir: „Worüber regen Sie sich denn auf, Igor? Da oben gibt es viele Schwarzbunte wie Sie!“

Am schlimmsten finde ich aber, dass ich ab jetzt Teeeee aus diesen winzigen „dünnwandigen“ Tassen trinken soll! Ich mein – wie soll ich das anstellen?! Ich hab Flügel und einen Schnabel! Und dann sagt Frau Groka: „Dann trinken Sie halt aus einer SCHNABELTASSE!“ Und dann hat die sich den Bauch gehalten und Träääänen gelacht, weil sie sich selbst so witzig fand. Haha!

Obwohl…*schlürrrf*…so schlecht…*schlorp*…mit ordentlich Kluntje…*schlabber*…na gut. Ich geh mit…