Floppy rettet die Konbautze – eine Kurzgeschichte aus meiner Schublade

Liebe Gemeinde, Freunde und Feinde,

heute habe ich für den Kreativkick einen Artikel über Reizwörter geschrieben und dabei fiel mir ein, das ich ja selbst noch haufenweise „Reizwortgeschichten“ auf der Festplatte habe, die eigentlich zu schade sind, um da zu vergammeln. Da ich nicht weiß, wann ich die Zeit haben werde, die Kurzgeschichtensammlung zu einem eBook zusammen zu stellen, präsentiere ich euch jetzt stolz eine meiner Lieblingsgeschichten: Floppy rettet die Konbautze. Für alle, die diesen Artikel angeklickt haben, weil sie sich für die Reizworttechnik interessieren: Die drei Wörter, aus denen mein Gehirn die Geschichte gemacht hat, waren Rottweiler, Ektoplasma und Puddingteilchen, gestiftet von meiner Tochter. Viel Spaß beim Lesen.

Floppy rettet die Konbautze

Auch in unserer modernen Zeit gibt es noch immer Völker, die nicht bekannt sind. Untereinander schon – nur nicht dem Rest der Welt. Einige Indiostämme sind sogar dafür bekannt, dass sie nicht bekannt sind.
Ein weiteres Volk, das noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat, lebt allerdings in einem Hinterhof in Recklinghausen. Hinter einem kleinen Metzgerladen haben hier die Konbautze einen eigenen Mikrokosmos errichtet.
Die Konbautze sind eine ausgesprochen intelligente Lebensform. Sie nutzen die Vorteile der Zivilisation, ohne sich ihr zu erkennen zu geben. Sie genießen alle Rechte, übernehmen dafür aber keine Pflichten.
Deshalb sind die Konbautze ein sehr lebensfrohes und sorgloses Volk. Sie verbringen höchstens eine Stunde pro Tag mit der Nahrungssuche, der Rest der Zeit verbleibt ihnen, um den Häuptling toll zu finden, sich gegenseitig den Nacken zu kraulen und Würfelspiele zu erfinden, bei denen keiner verlieren kann. Das alles funktioniert natürlich nur, weil die Konbautze mikroskopisch klein sind.
Doch eines Tages stellte sich heraus, dass der Häuptling doch nicht so schlau war, wie immer alle Konbautze gedacht hatten. Der Häuptling hatte nämlich verfügt, dass die Siedlung der Konbautze mittels ihrer hoch entwickelten Technologie, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, als eine gammelige, alte Wurst getarnt werden solle. Nach dem Selbstverständnis des Häuptlings stellte diese Tarnung ein Optimum an Sicherheit dar. Eine alte Wurst im Hinterhof einer Metzgerei, die weit und breit für ihre Gammelfleischskandale berühmt war – es war perfekt.
Nur mit einem hatte der Häuptling nicht gerechnet. An einem Dienstag im Juli, es war sehr heiß und drückend, rief eine Anwohnerin, die sich von dem Geruch hinter der Metzgerei belästigt fühlte, das Ordnungsamt.
Frau Krummbiegel hatte nämlich geplant, mit ihrer alten Schulfreundin Frau Öx auf dem Balkon ein Stückchen Erdbeerkuchen einzunehmen. Denn Obstkuchen macht ja nicht dick. Wenn man sich mit der Sahne zurück hält.
Leider stieg den Damen schon beim Betreten des Balkons ein derartig unangenehmer Geruch in die Nase, dass der Erdbeerkuchen sich vor ihren Augen in blubberndes Ektoplasma verwandelte. Die Sahne nahm eine Pyramidenform an und ließ durch ihre Schnittpunkte grüngelbe Dämpfe entweichen.
Frau Krummbiegel tätigte natürlich sofort völlig empört ein Telefonat. Und dann noch eines. Das zuständige Amt war nämlich gar nicht zuständig. Das nächste Amt fühlte sich auch nicht zuständig, verwies Frau Krummbiegel aber weiter. Bei der dann doch vielleicht eventuell manchmal zuständigen Stelle, mit der Frau Krummbiegel nun verbunden wurde, war der zuständige Sachbearbeiter krank geschrieben, sein Vertreter auf einer Fortbildung und dessen Vertreter im Urlaub. Der Vertreter jenes Vertreters, der just in diesem Moment auf den Malediven einen Herzinfarkt erlitt, verband Frau Krummbiegel mit dem Pförtner.
Diesem erklärte Frau Krummbiegel völlig aufgebracht, dass das Ektoplasma Gase abgebe und Frau Öx bereits ihre Farbe verändert habe. Schuld sei der Metzger im Parterre.
Der Pförtner nahm still alle Daten auf, enthielt sich aber einer eigenen Meinung.
Dann überschlugen sich die Ereignisse.
Der Häuptling der Konbautze verschluckte einen Würfel. Genau in dem Moment, als der völlig verstörte Metzger mit einem Herrn mit Klemmbrett und Kugelschreibern in der Hemdtasche, den Hinterhof betrat.
Der fremde Herr mit dem Klemmbett murmelte Worte wie Mängelliste, Gesundheitsgefährdung, Strafanzeige und „unhygienisch“.
Der Metzger fuhr sich derweil über die verschwitzte Stirn und nahm einen großen Schluck aus einem Flachmann.
Die Konbautze bemerkten dies alles zunächst nicht. Alle hatten sich um den blau angelaufenen Häuptling gescharrt. Der erste und der zweite Minister klopften ihm auf den Rücken, während der Schamane aufgeregt hin und her lief und immer wieder ausrief, dies sei ein Zeichen, nun stünden die Sterne günstig, um die Erde zu pulverisieren und bei eBay zu verkaufen.
Ein vorlautes Konbautzenkind drängte sich nach vorn und schlug vor, dem Häuptling das Leben zu retten, indem man ihm einen Würfelbecher über den Kopf stülpt und schüttelt.
Da schrie der Herr mit dem Klemmbrett: „Und werfen sie gefälligst die vergammelte Wurst da weg!“
Kleinlaut bückte sich der Metzger nach der Siedlung der Konbautze und klappte den Deckel einer stinkenden Mülltonne hoch.
Die Konbautze erstarrten vor Schreck. Dann liefen sie blitzschnell durcheinander und richteten drohend ihre solarbetriebenen Teilchenbeschleuniger auf den Metzger.
Doch dann passierte etwas Unvorhergesehenes. Die Tür zum Hinterhof sprang auf und Frau Krummbiegel, mit gehetztem Blick, stürmte heraus, verfolgt von zwei übereifrigen Sanitätern und einem Amtsarzt, der schnaufend Fragen rief. Welchen Wochentag haben wir heute? Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?
Abgelenkt durch dieses Schauspiel verharrte der Metzger für den Bruchteil einer Sekunde mit dem, was er für eine Gammelwurst hielt, in der Hand, über der Mülltonne.
Diese kurze mentale Schwäche des alkoholkranken Fleischermeisters machte sich eine andere Lebensform zunutze. Ein im städtischen Tierheim bereits als notorischer Ausreißer bekannter Rottweiler sprang aus dem Gebüsch, riss dem Metzger die Siedlung der Konbautze aus der Hand und verschwand in einer nahe gelegenen Grünanlage.
Die Konbautze wurden durchgeschüttelt wie noch nie zuvor im Leben. Der Häuptling erbrach sprötzelnd den Würfel.
Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelang es dem Praktikanten des Verteidigungsministers, den Teilchenbeschleuniger so zu positionieren, dass Floppy, der Rottweiler, ein Puddingteilchen von gestern direkt ins Auge bekam.
Floppy ließ die Siedlung fallen und rannte jaulend davon.
Noch heute erinnert eine Statue von Floppy auf dem Dorfplatz der Konbautze an diese heldenhafte Rettung einer Spezies, die bis heute nur der allwissenden Erzählerin bekannt ist.

Wenn die Geschichte dir gefallen hat und du gern mehr Groka-Geschichten lesen würdest, hinterlasse mir bitte einen Kommentar, damit ich weiß, ob es sich lohnt, ein eBook daraus zu machen! 🙂

Schuld und Sühne!

Der Linolschnitt des Grauens…

Liebe Leser!

Also, da hat mich doch jemand gefragt, ob es zu meinem Bild von Dimitri Karamasow auch ein Bild vom Autoren gibt. Angefügt ist ein Link, der tatsächlich zu einer großartigen Sammlung von Dostojewski-Portraits jedweder Sorte führt. Das macht voll Laune, sich da durch zu klicken!

Jetzt hab ich mir aber gedacht, hmmm, Dostojewski-Portraits gibt es wohl wirklich genug, was ich aber seit Jaaahren machen will…nee, ich muss andersrum anfangen. Seit ich zum erstenmal die Filme von „Wallace und Gromit“ gesehen habe, und das ist laaange her, spukt mir im Kopf herum, dass ich unbedingt mal ein Portrait machen will von Fido Dogstojewski. Denn ( Kenner erinnern sich ), als Gromit im Knast gelandet ist, liest er „Crime and Punishment“ von Fido Dogstojewski. Dass außer mir noch jemand die Logik erkannt hatte, dass ein Hund im Knast Dogstojewski lesen muss, hat mir damals tiefen inneren Frieden geschenkt. Ich fühlte mich als „dogstojewskischer Charakter“ ( also als Idiot ) nicht mehr so allein auf der Welt! *schnief*

Tja, und daran haben mich diese ganzen Dostojewski-Portraits erinnert und ich wußte, was ich mit der Linolschnittschnitz… Linolschnitzel? Na, mit dieser Platte, die hier seit Tagen rumliegt, zu tun habe!

Jetzt mal ohne Witz, Linolschnitt hab ich seit der Schule nicht mehr gemacht, und damals hat einem ja auch kein Mensch gesagt, dass man die Platte einfach mal auf eine Wärmflasche legen kann, damit die weich wird und sich überhaupt verarbeiten läßt! Aber auch wenn man das Material anwärmt, man fühlt sich schon so ein bißchen wie Käthe Kollwitz an einem schlechten Tag, wenn man da *gnnnnnnn* mit zusammengebissenen Zähnen in dem Zeug rumschnitzt. Kein Wunder, dass Linolschnitte irgendwie immer ein bißchen verhärmt aussehen…

Nr 10: Schatzi, Herr Vargas, und ich…

Mann, Mann, Mann – noch nicht mal Mittag und ich könnt schon Krimi gucken und app im Bett! Was für ein Tag.

Also, zuerst mußte ich so früh raus in die echte Welt, dass ich mich in meine Hauptrolle in dem Splatter-Movie „Ein Zombie hängt am Kaffeetropf“ gar nicht richtig einfühlen konnte. Ganz großes Autorenkino, das mach ich eigentlich erstmal jeden Morgen.

Heute stand ich dann aber schon vorher an der Bushaltestelle. Dann hab ich alles getan, was eine Frau tun muss, und wollte wieder nach hause. Und dann hab ich so gedacht: Da lauf ich doch einfach durch den Wald zurück ins Grummelkontor, weil – ich bin ja ein naturverbundener Mensch und gesundheitsbewußt bin ich auch. Also, ich hatte den Bus verpaßt.

Und dann stapf ich da so im Morgennebel durch den Wald, lasse vor mir selbst meine humanistische Bildung raushängen und murmel gerade „Es ist so schwül, und dumpfig hie…“ – kommt da dieser riesen Hund an! Stockmaß 2,40 m, ich schwör mit Blut!

Nur, dass hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich hab keine Angst vor Hunden. Mir sind nur generell Leute suspekt, die auf Kommandos hören und tun, was man ihnen sagt, ohne das zu hinterfragen.

Ja, und dieser Hund baute sich vor mir auf und schnupperte hochnot angeregt an dem appen Knopf von meiner interessanten Künstlerjacke. Oder, eher da, wo der Knopf mal war. Keine Ahnung, wo der jetzt ist, aber ich mach mir da keine Sorgen, im Universum kann Materie nicht verschwinden, deshalb wird er schon irgendwo sein.

Ja, also, auf jeden Fall standen wir dann da so. Der Hund und ich. Und standen.

Dann kam der Oppa längsseits, der zu dem Hund gehört. Und er rief: „Schatzi, is kein Leckerchen!“

Und ich – denn ich bin ja nun auch nicht gerade auf den Mund gefallen – sprach: „Äh, nö.“

Dann trennten sich unsere Wege. Was eine unglaublich bescheuerte Redensart ist. Denn die Wege bleiben ja immer da, wo sie sind. Die können sich ja gar nicht trennen! Selbst, wenn sie wollten! Also, wenn jetzt der eine Weg an der Kreuzung sagt: „Ich verlasse dich! Ich zieh zu meiner Mutter!“, dann sagt der andere Weg doch nur „Jaja. Dann geh mal schön, hehe!“

Aber ich schweife ab. Das alles war jetzt nur eine Finte, und ihr seid da voll drauf reingefallen, gebt’s zu! Das echte Daily Painting für heute ist nämlich das hier:

So. Das ist der Herr Vargas Llosa. Der Herr Vargas Llosa ist Schriftsteller und hat gestern den Literatur-Nobelpreis bekommen. Ich hörte das im Morgengrauen im Radio und dachte: „Oh, neeeee… Schon wieder so ein lateinamerikanischer Literatur-Macho! Warum nicht ich? Wie soll ich das all den Lesern erklären, die meine Heftchen gekauft haben und mir immer Mails schicken: Wann kriegen Sie denn jetzt endlich den Nobelpreis!?“

Weil – meine Leser wollen ja eine Wertsteigerung für ihre Zwergenpresse-Werke erreichen und auf Partys erzählen, dass sie mich schon kannten, bevor ich berühmt war. Also, ich mein, da hätte dann doch jeder was davon, wenn ich den Preis kriege. Ich würde dann auch nicht persönlich kommen, um den entgegen zu nehmen, sondern Igor schicken. Mit einem Köfferchen, für das Geld. Igor ist schließlich der einzige von uns, der was gescheites zum Anziehen hat. Aber vielleicht haben die in Stockholm gar nicht meine Nummer? Oder sitzen die in Oslo? Nicht, das ich mich jetzt vertue mit diesem Grand Prix de la Dingens, Chanson.

Einerlei! Ich hatte also den Gedanken, einfach mal zu googeln, wie der Herr Vargas als zorniger junger Mann aussah. Weil, diese Latinos, die sind ja nicht ohne! Außer vielleicht, sie heißen Maradona, aber das tut jetzt hier nichts zur Sache.

Ich googelte also, und stellte fest: Mensch, der sah ja aus wie eine Mischung aus dem jungen Elvis und Lugosi! Bela Presley als Kommunarde, guck an!

Und ich schritt hinüber zu meiner Hausbibliothek, zog „Das grüne Haus“ von dem Herrn Vargas aus dem Regal und fand eine Elvis-Sammelkarte, die ich mir als junges Ding auf Seite 39 da reingesteckt hatte, um später weiter zu lesen. Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Tja. Ist wohl besser, ich fang nochmal von vorne an.

Aber wieso Elvis? Wußte mein jüngeres Ich, was ich zwanzig Jahre später googeln und denken würde? Wußte mein jüngeres Ich schon, dass es Google einmal geben würde? Höhere Wesen? Seid ihr das? *tast* *stolper*

Jetzt weiß ich, was los ist! Ich hatte heute noch keinen Kaffee!!!