Das Bild am Sonntag: Piet Schlendrian

Liebe Leser!

Habt ihr alle Kaffee? Ich fürchte, das dauert heute wieder etwas länger…und, ja, ich weiß, dass ich eine Deadline habe, jetzt macht mich mal nicht nervös hier, sonst fang ich an zu stottern und dann dauert das noch länger!

Also, das war so. Ich geh ja, wenn das Wetter es zuläßt ( oder das Bier alle ist ), abends gerne auf meinen kleinen daily walk. Und eigentlich muss ich ja rein, wenn die Laternen angehen, aber jetzt lagen die Umstände halt so, dass in Esens schon Licht an war und die Frau Groka war noch draußen. Und ich schwör mit Blut, diesmal hab ich keine Industriespionage betrieben, aber die malende Zunft von Esens hat nun mal Schaufenster. Und ich schlender da so rum, da sehe ich, bamm, frontal auffen Kopp zu – das Bild hängt schief! Beim Herrn H.C. Petersen im Fenster sind die Bilder schief. „Oh, Gott, meine Zwangsneurose!“ hab ich gedacht, Frau Groka, jetzt halt blooooß die Füße still, weil – ich kann da nicht gegen an. Schief hängende Bilder machen mich fertig. Manchmal geh ich nur eben im Garagelier den 8B Bleistift suchen und dann bin ich eine halbe Stunde verschollen, weil ich anfange, die Bilder auszurichten. Hängt das eine gerade, sieht das daneben wieder schief aus. Jetzt hab ich aber gedacht, wenn ich beim Herrn…ich denk immer, der heißt H.C. Cäsar, aber ich mein den Herrn Petersen, wenn ich bei dem ins Fenster einsteige, um die kleine Strandidylle in Öl da ein bißchen weiter nach unten links…dann steh ich hinterher im „Nordlicht“. Stichwort: Kunstraub in Esens. Oder der Herr Burlager muss über meine Verhaftung berichten, und wenn ich dann im Knast sitze, kann der mich gar nicht mehr pingbäcken. Oder bäckpingen. Das wollen wir doch schließlich alle nicht.

Ich bin dann einfach ganz schnell weg gelaufen und hab in eine Tüte geatmet, bis ich nicht mehr so hyperventiliert hab, hehe. Dann kam ich aber vom Regen in die Traufe, weil – wenn man da dann an der Kirche lang fitscht, das Rathaus kreuzt und in die muckelige kleine Straße mit der netten Buchhändlerin einbiegt, dann kommt man direkt zum Atelier von dem Herrn Overbeck. Das ist der Herr O., vor dem ich mich letztens so verjagt hab. ( Trotz meiner ausgezeichneten Impulskontrolle haben die Strauchtomaten es trotzdem nicht bis in den Salat geschafft, aber das ist eine andere Geschichte ). Und, ja, ich überwinde mich jetzt und gestehe hier öffentlich am Pranger der Bloggerwelt meinen Sozialneid. Der Herr O. hat eine Laaaaage…ich geh gar nicht gerne da vorbei, weil – ich steh da immer vor diesem Lädchen wie der junge Schröder vorm Kanzleramt und denk: „Ich will da rein!“ und mal ehrlich: WER wird gerne auf seine Seelenverwandschaft mit Gerhard Schröder hingewiesen?! Grruselitsch…

Naja, auf jeden Fall war weit und breit kein Mensch zu sehen und dann hab ich so gedacht…na, komm, Frau Groka, aber nur GANZ kurz…und dann hab ich mir die Nase an der Scheibe plattgedrückt und visioniert wie das wäre, wenn ich dieses Altstadtatelier hätte…gerade Wände, keine kapitalen Achtender ( also, äh…Spinnen ) zwischen den heiligen Farbtuben, boar, mit Beleuchtung, ich würde den ganzen Tag im Laden stehen und mysteriös und interessant aussehen und niiiie wieder bekloppte Ghostwriterjobs annehmen… Ich wurde dann aber aus meinen Visionen gerissen, weil mein Blick an einem Bild hängen blieb. Für einen Moment war ich ganz verwirrt, weil da keine Grokas hängen, aber dann legte ich den Kopf schief. Ich dachte…“Hä?“

Da hat der Herr Overbeck – haaa, zorniger junger Mann, hab ich so gedacht – seinen archaischen Tag gehabt und mit den farbverschmierten Pranken *BATSCH* auf die Leinwand! Dreimal. Also, äh, ich bin ja jetzt nur Malerin, ich hab ja von Kunst keine Ahnung, deswegen könnte ich jetzt gar nicht sagen, ob das zwei rechte und eine linke Hand waren oder…öh, jetzt bin ich raus…“Hand waren“? Hände…sein? Wo bin ich? Schwester? KAFFEE!

Äh…was ich eigentlich sagen wollte…ja. Das sah aus, als hätte der Herr Overbeck jetzt endlich die Death Metal Version zu seiner Heart Edition auf den Markt geworfen. Mit der Frage im Kopf, wie sich das wohl anfühlt, wenn man einfach so mit die Fingers…stolperte ich weiter und kam beim Herrn Buldt an der Ecke vorbei. Der Herr Buldt ist in Esens zuständig für die Primärfarben. Unten war es dunkel, aber fast gegen meinen Willen stellte ich fest ( man guckt ja nicht den Leuten in die Fenster, wo sind wir denn hier! ), also, äh, beim Herrn Buldt überm Atelier brannte Licht und…*stutz*…der hat seine eigenen Bilder im Wohnzimmer hängen. Oder zumindest gute Fälschungen. Das traf mich wie ein Hammer am Kopf. Im Leeeeeben nicht wär ich auf die Idee gekommen, mir einen Groka übers Klavier zu hängen! Also, vielleicht, aber nur ganz eventuell, wenn die Frau Groka auf die Idee kommt, einen beethovenförmigen Mett-Igel zu zaubern, so als Büste, aber…dann will man da abends nur noch tot überm Zaun hängen, und dann guckt man da so hoch und sieht seine eigenen Fehler! Dahin ist die Nachtruhe!

Ah, Nachtruhe! Das war ja mein Stichwort! Jetzt weiß ich wieder, was ich eigentlich sagen wollte! Also, ich kniete mich da gestern brav hin zum Gebet ( JESUS RETTET! ), dann sprach ich so zu mir „Sleep well in your Bettgestell“ und kawumms, war’s vorbei. Da fiel mir nämlich ein, dass eine unserer pubertierenden Mitbewohnerinnen gestern einen an mich gerichteten Satz anfing mit „Wenn Du erwachsen bist…“. Für einen Moment dachte ich: „Höh? Moi?“, dann überlief es mich siedendkalt. Oder eisheiß? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hab ich mich für ein ernstes Wörtchen in mein Kontor zitiert und gesagt: „Dieser Schlendrian hört ab sofort auf!“ und da wußte ich, was ich zu tun habe – ich male einen Schlendrian! Am liebsten wär ich um 0.48 Uhr aus dem Bett gesprungen, um sofort anzufangen, aber…es war gerade so warm im Bett und äh…ich bin so ein Weich-Ei, aber ich hab die Kunst dann doch auf bis nach dem Frühstück verschoben. Und als der Schlendrian dann so fertig da lag, da fiel mir der Herr Overbeck ein, und dann hab ich geguckt ob auch keiner guckt und…*BATSCH*

Buahahahaaaaa, wie geil ist das denn! *flutsch* Mit so einer Technik hab ich glaub ich das letztemal im Kindergarten gearbeitet, aber – nur das ihr bescheid wißt, für die Techniken, für die man winzige Pinsel mit drei Haaren braucht, bin ich jetzt erstmal verdorben.

Und jetzt guck sich einer diese Hand an! Diese mördergraziöse Linie, diese Klavierspielerfingerchen, waaah, und dieser ausgeprägte aktive Muskeltonus am Handballen, ich hab Muskeln! Yeaaaah, Muscles! ( Wir singen „Teach me tiger“, die Strophen 2 und 4 ). Echt jetzt, ich hatte einen ausgeprägten narzisstischen Anfall, als ich diese Hand gesehen habe. Cooooles Gerät!

Ich glaube, als nächstes spiele ich Klavierstücke auf schwarz grundierten Leinwänden. Nothing else matters.

Tja. Clint Eastwood sagte: Du kannst nie wissen, wen Du inspirierst. Danke, Herr O. Ich weiß, Sie haben das nicht gewollt, aber es ist passiert. Tja.

P.S. Wie kriegen Sie eigentlich Ihre Pfoten wieder sauber?

JESUS RETTET

Liebe Leser, Freunde und Feinde, Bürger von Esens!

In den letzten Tagen ging ja in Esens dieses Traktätchen rum, zu unser aller Seelenheil Rettung. Hm. Ich gestehe, mir war im Fenster der Urheber schon dieser Zettel aufgefallen. JESUS RETTET. In genau dem gleichen Schrifttyp, wie die Bayern-Fans immer ihre Schildchen im Stadion hoch halten: KOAN NEUER. Für einen Moment keimte Hoffnung in mir auf, weil ich dachte: „Yeah! Hat Schalke wieder einen Spanier eingekauft? Jesus Sowieso?“ Also, nicht, dass Senor Raul nicht mein großer Hoffnungsträger wäre, dieses possierliche Persönchen, hach!, aber sooo jung ist der ja nu auch nicht mehr…dann griff ich aber in den Briefkasten und stellte fest: Es geht gar nicht um Fußball.

Tja. Wo soll ich da anfangen. Für mein Empfinden heißt Gott ja mit Vornamen Karel und kommt aus Prag. „Chaaaainmal um die ganzä Wält, chund die Taschen vollär Gäääält!“ Bis dato hab ich sogar an Gott geglaubt, weil – als ich klein war, war der ständig im Fernsehen ( und wir hatten ja damals nichts anderes… ) und hat ja auch den Soundtrack von der Biene Maja eingesungen. Und dann war da ja auch noch dieser Thomas Gottschalk, wie hieß der denn noch, maaah, ihr wißt schon „Neunzehnuhrdreißig in Bärrrrlin…ZDF-Hitparade…Media Control…blabla“ – Heck! Dieter Thomas Heck! Genau. Da bekam der Herr Gott immer diese eingeschweißten Röschen hinterbracht.

Jetzt hab ich aber Dank dieses JESUS RETTET Traktates erfahren, dass ich voll auf dem falschen Dampfer war. Gott liebt mich und verzeiht alles, aber nur, wenn ich mache, was er will. Sonst muss ich in die Hölle. Die Hölle ist, wenn man mit einer blondierten Dauerwelle auf ein Wolle Petri Konzert muss. Er singt „Das ist Wahnsinn, Du schickst mich in die…“ und dann brüllen alle „HÖLLE! HÖLLE! HÖLLE!“. Schützenfest halt. Und da kommt man dann nie wieder weg. Wenn man Pech hat, wird man selbst am jüngsten Tag nicht abgeholt.

Tja. Besonders verstört hat mich die Tatsache, dass ich ständig mit Dämonenhilfe vergewaltigt werde und das noch nicht mal merke! Deswegen soll ich mit den sogenannten „Christen“ sprechen und denen sagen, dass sie in die Hölle kommen. ALLE! Ich zwar auch, aber: KOAN NEUER! Ne, JESUS RETTET. Ich komme ja schon ganz durcheinander… Ich gestehe aber auch, dass ich den Sinn des Schreibens einfach nicht richtig verstanden habe. Ich kann ja nichts dafür, dass mein Verbal-IQ irgendwo bei 350 liegt, ich hätte auch lieber Freunde und ein ganz normales Leben, aber…ehrlich, der Zettel war so schlecht geschrieben, ich hab nichtmal die Hälfte geschafft. Es tat weh!

Das geht ja schon los beim Titel. Jesus rettet. Da tippt Frau Grokas ab Werk eingebaute Lektorin ja schon drauf und grummelt: „Da fehlt das Objekt. WEN oder was rettet Jesus?! AKKUSATIV!“ *schrei* Man könnte es natürlich auch mit einem geschmeidigen kleinen Genitiv versuchen. „WESSEN Pudel rettet Jesus aus der Mikrowelle?“ „Dem Gott seinen!“ *augenroll*

Was mich aber am meisten verstört hat, war die Tatsache, dass dem Urheber des Schreibens die Autos demoliert wurden. Leute, sowas macht man aber nicht! Was habt ihr jetzt erreicht? Der Herr fühlt sich im Recht. Denn sein Passat starb einen…Mehrtürertod.

Übrigens: Der Urheber des Schreibens zieht jetzt weg aus Esens. Warum weiß ich nicht, aber vielleicht hat ihm ja jemand eine Missionars-Stellung angeboten. Wuahahahaaa, Gott, war der schlecht, Frau Groka, Sie gehen jetzt besser mal wieder an die Arbeit, da wartet ja noch eine Deadline…

Jesus, wir wissen, wo Dein Auto steht… *sing*

Frau Groka ab.

Frau Groka hat Nervenzusammenbruch!

Liebe Leser!

Als Warnung vorwech: Dieser Artikel ist KEINE Übung! Ich habe KEINE Tüte geraucht ( obwohl ich gewollt haben wollen hätte, aber gedurft haben sie mich nicht gelassen ) und auch keine geistigen Getränke zu mir genommen. Das Bild unten ist mir tatsächlich passiert. Und erst scrollen, wenn alle Kinder aus dem Zimmer geschickt sind!

So. Also, eigentlich fing es ganz harmlos an. Vorgestern, mein Gott, war das erst vor zwei Tagen?, hab ich ja lauthals verkündet „Morgen ist Ruhetag!“. Was mich dann geritten hat, weiß ich nicht, purer Überlebenstrieb, aber als dann abends der Auftrag reinkam, innerhalb von 7 Tagen ein „verkaufsfertiges Buch“ zu schreiben, hab ich Idiot diesen Ghostwriterjob angenommen. Das allein ist ja schon ein Grund, mich zu verkloppen, aber was ich dann gemacht habe…

Die liebe Frau Groka saß dann da so also am Rechner rum, und saß da…und 18.578 Zeichen später fiel mir einfach nichts mehr ein. Wer selber schonmal für Geld geschrieben hat, weiß: Da hilft nur eins! Vor die Tür gehen! Das hab ich dann auch noch gemacht, ich Depp! Deadlines verstoßen gegen die Menschenrechte, aber egal…

Ich saß dann da also fein mit meinem Skript am Kirchplatz, ließ mir die seltene Sonne auf den Pelz brezeln und pinnte eifrig in mein Notizbuch, da rollte eine ostfriesische Geburtstagsgesellschaft auf mich zu. Wenn unverheiratete männliche Ostfriesen 30 werden – es hat unbestritten etwas von einer Wagneroper, mit einem Wort: WAHN!

Das GeburtstagsKIND muss fegen, bis es freigeküsst wird. In Esens wählt der gemeine Ostfriese zum Fegen gerne Kronkorken, die sich auf dem Kopfsteinpflaster vor dem Rathaus ja besonders gut auffegen lassen, nä? Ich glaube, die Kronkorken werden im Laufe des Abends auch nicht weniger. So weit, so gut.

Jetzt hat aber, äh, entschuldigen Sie den abgegriffenen Ausdruck, der „heiße Feger“ gestern…boar, jetzt mal ohne Witz, ich bin in den Norden geflüchtet um keine „Frohnaturen“ mehr ertragen zu müssen und denk, ich steh in Köln… *augenzuhalt*

Gott sei Dank konnte mein verstörter Blick sich an der schief sitzenden Clownsperücke festhalten, aber…wer dem jungen Mann dieses Adamskostün genäht hat ( und das in der Hochsaison, die aaarme Sau… ), also, äh, da wäre jeder Blauwal vor Neid erblast. Mehr möchte ich an dieser Stelle gar nicht sagen.

Äh. Ja. Der junge Mann trug „es“ jedenfalls mit Fassung und schwang mit großer Freude den Gummibesen, den seine Peiniger ihm in die Hand gedrückt hatten. Und nicht nur den.

Ja. Das wollte ich erwähnt gehabt haben. Aber schön, das wir mal drüber gesprochen haben. Es tut gut, seine traumatischen Erfahrungen zu teilen. *augenroll*

Ich bin dann mal wieder. Ich hab da eine Deadline. Bis die Tage dann…

Frau Grokas Strauchtomaten und die Kunstszene von Esens

Diese Szene ist zum Glück dann doch nicht passiert!

Liebe Leser!

Ihr wißt ja, dass ich mich selber nicht gerne vor die Tür lasse, wer weiß, was die verpeilte Frau Groka dann wieder anstellt, aber heute überkam mich spontaner Hunger. Ich visionierte feste Nahrung, stülpte mir ein ungebügeltes aber lebensbejahendes kariertes Seppel-Blüsken über den Kopf und machte mich auf den Weg zum Brutto. ( Name v.d.R. geändert ). So weit, so gut.

Den Rucksack voll gepackt mit Kohlenhydraten wollte ich dann nur noch nach hause und meinen Blutzuckerspiegel pimpen. Um mir die Zeit zu vertreiben, bis meine Füße mich durch die Altstadt getragen haben, versank ich in tiefste Grübeleien über die Raumpatrouille Orion. Wir hatten da nämlich jetzt so eine Phase…wie soll ich sagen…abgesehen vom absolut richtungsweisenden Soundtrack und dem grandiosen Bügeleisen, konnte ich an nichts anderes mehr denken als daran, auf welchem Leinwandformat ich General van Dyke malen soll und ob eine Collage aus Alufolie…

Kurz, ich rutschte in eine dieser Flow-Zustand-Attacken, von denen die Erbengemeinschaft weiß, dass man sich mir dann besser nicht von der Peripherie her nähert. Weil – dann schreie ich „WAAAAH!“ und falle in Ohnmacht.

Und ich wackelte da also so durch Esens, zutiefst versunken in die Frage, was wohl aus Commander Mc Lane geworden wäre, wenn den Frogs die Invasion gelungen wäre, als mein peripheres Sehvermögen meldete „WAAAAH! Schwarzer Mann! Exterrestrische Lebensform von links!“ Eine Stimme in meinem Kopf rief „Kampfstand besetzen!“ und dann hätte ich fast aus dem Affekt den umweltfreundlichen Stoffbeutel mit den Strauchtomaten…

Mein Gott, glücklicherweise hatte ich gerade noch rechtzeitig einen Rücksturz nach Esens. Der ahnungslose, mich überholende Mensch, dem ich da fast mit Schmackes die Tomaten – gar nicht auszudenken! Das was nämlich der Herr Cyrus O., die malende Berühmtheit von Esens. Andere Leute sind ja froh, wenn sie eine Hausnummer haben, aber der Herr O ist eine Hausnummer. Also, nicht, dass ich den Herrn O. kennen würde, weil, ich kenne ja irgendwie nie Leute. Das liegt daran, dass ich nie weiß, worüber ich mit Menschen reden soll und grundsätzlich Veranstaltungen meide, wo nie genug Blumenkübel rumstehen, in die man diskret den lauwarmen Prosecco reinschütten könnte.

So. Weil ich aber Google habe, hab ich natürlich Industriiiespionasch betrieben. Das ist Platt und heißt auf Deutsch „Voll krass Konkurrenz auschecken, Alter!“. Und als ich gesehen hab, wer den Herrn O. schon alles aufgehängt hat, hab ich gedacht „Huch! Ich möchte jetzt um eine gnädige Ohnmacht bitten!“. Der Herr O. hängt nämlich schon zu Lebzeiten im Museum. Also, nicht er persönlich, aber seine Bilder.

Und, äh, also, obwohl ich den Herrn O. gar nicht kenne, hab ich ihn auf der Straße doch sofort erkannt, weil – der hat als Einziger in Esens seine Frisur. Außerdem – man kann ja über Männer in Uniform sagen, was man will, aber bei einem Künstler in Schwarz weiß man, was man hat. Und wenn ich dem jetzt die Tomaten…mein Gott, wär das peinlich gewesen! Und wenn das tatsächlich passiert wäre, dann hätte ich ja auch passierte Tomaten gehabt!

Wie sagte Francois Villon so treffend? Ich bleibe unter dem Holunderstrauch auf den noch nie ein Stern hernieder schien…

So, und während ich das jetzt getippt habe, hab ich Sonnenblumenkerne in mich reingemampft. Kann mir mal einer sagen, wie ich jetzt die ganzen Schalen wieder aus der Tastatur kriege? *schüttel*

Äh… P.S.

Sehr geehrter Herr O., sollten Sie jemals in meinem Blog landen, verkloppen Sie mich bitte nicht! Ich war das gar nicht! Den Artikel hat…äh…die Katze geschrieben. Genau.

Budenkolllller!

Liebe Leser!

Während vorne im Haus alle Schriftstellerinnen vom Jüchertor fleißig gegen ihre Schreibblockaden antippen ( zumindest hört man überall Tastaturen klappern… ), hab ich das Gefühl, ich komme hinten aus dem Garagelier gar nicht mehr raus und komm zu nix! Ich pinsel wie wahnsinnig, aber die Wände werden nicht voller. Ich drucke, schneide, verpacke, rahme und dekoriere wie wahnsinnig, aber die Stöberkisten werden, genau, nicht voller. Hm. Außerdem muss der große Tisch irgendwie anders stehen, das geht so nicht…und Nosi muss endlich fertig geschminkt werden, und dann muss Yoda da weg!

Ich mein – jetzt guckt euch das mal an! Nosferatu steht da so großartig in seinem mittelalterlichen Domizil und überm Ohr hängt der ehrwürdige Yooooda! Das sieht ja voll bekloppt aus! Ich muss die gesamte Hollywood-Ecke neu hängen!

Ich werd bekloppt. Irgendwie bin ich heute mit allem unzufrieden und hab das Gefühl, in das Atelier kann ich ja niiie jemanden rein lassen. Und eine Kiste Bier für die Eröffnung brauchen wir ja auch noch… Schaffenskrise! WAAAAAH!

Ob ich einfach das Möhrenbeet vom Schachtelhalm befreien gehe? Ein bißchen frische Luft wäre sicher nicht übel…neee, besser, ich geh wieder Möbel rücken…

Die Wüsten-Kogge

Hochverehrtes Publikum, liebe Leser!

Nachdem ich mich einige verregnete Tage sehr zum Leidwesen meiner Mitbewohner damit aufgehalten habe, mir selbst manisch zu beweisen, dass ich Tschaikowsky auf dem Klavier spielen kann, kam die Sonne raus und ich nahm wieder meine Streifzüge durch die ostfriesische Wildnis auf. Und was soll ich sagen – ich traf dieses Kamel. Um genau zu sein – es ist ein Trampeltier. Ein zweihöckriges Getüm, welches sich in friedlicher Eintracht mit einem Esel die Koppel teilt. Da soll nochmal einer sagen, die Nordlichter sind Fremden gegenüber verschlossen.

Bei meinem gestrigen Besuch an der Kamelkoppel hatte ich dann großes Glück. „Es“ stand direkt hinter der Hecke, als hätte es nur auf meinen Besuch gewartet. Ich beschloss also, die diplomatischen Beziehungen aufzunehmen. „Moin!“ rief ich. Das Trampeltier sah mich erwartungsvoll an und kaute angeregt auf seinen eigenen Lippen. Ermutigt durch diese Geste verbeugte ich mich und sagte ein Gedicht auf.

Äh…

Die Sonne brennt,

die Birne wird weich,

Du bist Suleika

Und ich bin der Scheich

Tja. Es kaute, gähnte, und streckte mir die Zunge raus. Ich dachte erst, das rosane Dingens ist ein HubbaBubba, aber es war tatsächlich die Zunge. Wahrscheinlich hätte ich sagen müssen „Ich bin Suleika, und Du bist der Scheich.“, aber ich hatte ja keine Zeit, das Spontangedicht zu überarbeiten. Diplomatisches Parkett ist eben glitschig.

Wenn das Wetter es zuläßt, werde ich es heute also nochmal versuchen. Mal sehen, ob ich diesem Wüsten-, äh, Wattschiff, nein, dieser Wüstenkogge nicht doch ein Grinsen entlocken kann…

Heute, in Esens…

Liebe Leser!

Ähm, nochmal für alle, die es nicht wissen: Ich bin ja jetzt zugewanderte Ostfriesin und hab aus dem Pott rüber gemacht. Ich habe also jetzt quasi eine „Wahlheimat“, was für eine Künstlerin natürlich sagenhaft interessant klingt und enorm wichtig ist für die Vita.

Und heute bin ich dann da so rumgeschlendert, in meiner Wahlheimat Esens, guckte mir die ganzen Ostertouristen an und lauschte auf die vertrauten Klänge meiner Ex-Heimat. „Kumma hier, Mudder, krisse Wattlatschen für 8 Euro!“ oder „Leck mich fett, Eisbecher dreifuffzich!“

Ich streckte genüßlich auf einer Parkbank am Kirchplatz die Füße von mir, wackelte zufrieden mit den Zehen, da kam er längsseits. Rüdiger. ( Name von der Red. erfunden ). Im Schlepptau: Mutti und Tante Matta.

Mutti beguckte sich das gusseiserne Brathähnchen am Kriegerdenkmal und fragte: „Achtzenn sibbzich? Watt war datt denn für’n Kriech?!“ ( Nun, äh, ich will ja keinem was böses, aber die Generation ist ja für ihr politisches Vergessen schon irgendwie bekannt… )

Rüdiger schleckte an seinem Eis ( bestimmt von Tante Matta spendiert ) und schulmeisterte hochnotwichtig: „Deutschland gegen Frankreich!“ Wofür hat man den Jungen schließlich jahrelang in die Schule geschickt…

Ich räkelte mich, stöpselte mir still in mich hinein grinsend die Sonnenbrille auf die Nase und dachte: „Jaja, Deutschland gegen Frankreich. 1 : 0. Mit Zinedine Sedan…“

Ostfriesland – ich bin da!

Liebe Leser…

Tja, äh…ich wollte jetzt einen raaasend interessanten Artikel darüber schreiben, dass ich wieder da bin, also nicht da, sondern hier, mitten in Ostfriesland, und mitten im Blog.

Ich hab das Bloggen sowas von vermisst, aber das Internet war irgendwie nie da, wo ich war, und als ich endlich wieder eins hatte, kam ich vor lauter Umzugskartons nicht zum Rechner durch.

Aber jetzt ist das schlimmste geschafft und heute waren sogar die ersten Nachbarn zum Tee da, die waren so drollig, die haben uns sogar verziehen, dass wir den Kluntje vergessen haben und uns gleich Himbeersträucher für unseren Garten geschenkt.

Ostfriesland ist klasse, und Esens sogar noch viel mehr als der Rest. Jawoooohl! Gestärkt durch den Tee und die Aussicht auf Himbeeren aus dem eigenen Garten hab ich mich dann gleich wieder auf die Arbeit in der Scheune gestürzt, die bald mein Atelier werden soll, aber das muss ich euch in Ruhe erzählen…erstmal muss ich…*gäääähn*…ein kleines Nickerchen…die Landluft macht so herrlich müde…

Ich liebe Ostfriesland und ab jetzt wird wieder ganz viel gebloggt für den Rest der Welt. Aber erst fall ich um! *schnarch*