Mary and Max: Großes Gefühlskino, ganz ohne Rosamunde Pilcher

Heute muss ich euch einfach einen meiner Lieblingsfilme vorstellen, den ich mir auch immer wieder ansehen kann und auch immer wieder Details entdecke, die mir vorher entgangen waren. „Mary and Max“ ist ein Knetanimationsfilm, der in der deutschen Fassung den Beinamen „Schrumpfen Schafe wenn es regnet“ trägt. Der Film erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei sehr speziellen und sehr einsamen Menschen, die trotz oder gerade wegen der Distanz zwischen ihnen die tragikomischen Dramen ihrer Leben gemeinsam meistern.

Mary Daisy Dinkle ist zu Beginn der Geschichte 8 Jahre alt und lebt in einem Vorort Australiens. Weil ihr Opa ihr erzählt hat, dass die Babys in Australien auf dem Boden von Biergläsern gefunden werden, macht Mary sich Gedanken, wo die Babys wohl in anderen Ländern gefunden werden. Da sie niemanden kennt, den sie fragen kann, pickt sie nach dem Zufallsprinzip auf der Poststelle die Adresse eines New Yorkers aus dem Telefonbuch, um ihre Frage an ihn zu schreiben.

Der Brief erreicht Max, einen jüdischen Mittvierziger, der an Asperger Autismus leidet und ein ähnlich einsames Leben fristet wie Mary. Obwohl dieser Brief einer Unbekannten Max zutiefst aufwühlt und verwirrt, erliegt er doch der Versuchung, den Brief zu beantworten und lässt sich damit auf eine emotionale Bindung ein, die ihn zugleich fasziniert und ängstigt. Von nun an versuchen Mary und Max, in ihren Briefen gemeinsam die Rätsel des Lebens zu lösen, die sie beide – jeder auf seine Art – wunderbar falsch verstehen.

Mary und Max ist einer jener seltenen Filme, die völlig fern von Hollywoodästhetik oder ZDF-Kitsch die Geschichte einer lebenslangen Freundschaft erzählen, die von unglaublicher Toleranz und Anhänglichkeit getragen wird. Mary bricht einem das Herz, wenn sie mit ihrem Haustier, einem Hahn names Ethel, vor dem Fernseher sitzt und sich vor ihrer Lieblingszeichentrickserie mit gezuckerter Kondensmilch über ihre Einsamkeit hinweg tröstet.

Max dagegen weckt auf eine Art Verständnis für das Asperger-Syndrom, wie kein Lehrbuch es könnte. Er leidet darunter, dass er alles wörtlich nimmt. Als er in einem Wartezimmer das Schild „Take a seat“ liest und hinterher mit dem Stuhl in der U-Bahn sitzt, ist er der erste, der sich fragt, was diese sinnlose Aktion wohl soll. Man kann richtig auf seinem Gesicht lesen, wie ratlos er dieser absurden Situation gegenübersteht. Der ganze Film strotzt vor leisen Bildern, die mehr sagen als tausend Worte. So hat Max nur zwei Dinge in seiner Nachttischschublade: Ein Büchlein, in dem er die Bedeutung von Gesichtsausdrücken nachschlagen kann, und einen Zauberwürfel. Denn er liebt es, Probleme zu lösen. Klare Probleme, logische Probleme.

Also, wer von euch kleine Filme mit großen Gefühlen mag, ist bei „Mary and Max“ genau richtig. Und noch eine interessante Gratwanderung hat der preisgekrönte Film aus Australien geschafft. Film und Knete gehören zusammen wie Wallace und Gromit. Trotzdem hat „Mary and Max“ eine ganz eigene Bildsprache und einen völlig eigenen Stil. Der Regisseur Adam Elliot hat fünf Jahre Arbeitszeit in diesen Film investiert, und die haben sich wirklich gelohnt.

Frau Groka guckt: „Spartacus – Blood and Sand“

Spartacus Satire

Für Römer eine harte Nuss: Der Gladiator Spartacus

Der folgende Beitrag ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet!

Selbst ich kann nicht den ganzen Winter über britische Kostümdramen gucken, und so habe ich mich diese Woche für einen Spartacus-Marathon entschieden, um euch mit einer überflüssigen Filmkritik zu erfreuen!

Ich habe mich lange vor Spartacus gedrückt, weil ich den Anblick von Männern in Höschen aus Fensterleder irgendwie so gar nicht wirklich attraktiv finde, aber man wächst ja angeblich mit seinen Aufgaben. Und ich kann euch sagen – mir war ja klar, dass mich da kein französisches Autorenkino erwartet, aber mit diesem blutgetränkten Gemetzel hatte ich nicht gerechnet!

Ich kann mich auch gar nicht erinnern, schon einmal eine Fernsehserie über 18 gesehen zu haben, obwohl mein 18. Geburtstag ja nun schon *hüstel* etwas länger zurückliegt, aber auch ich lebe ja nicht hinter dem Mond. Die Ästhetik von Spartacus entlockte allerdings selbst mir ein „Boar, geile Grafik!“ Wer daran gewöhnt ist, auf youtube Let’s Plays zu gucken und zu zocken, wird also intuitiv nach der Tastatur suchen, um sich zu verteidigen.

Regelmäßig legt sich – untermalt von grotesk schmatzenden Geräuschen – ein roter Schleier aus Blut über den Bildschirm, der Zuschauer aus der Derrick-Generation vermuten lässt, dass mit dem Fernseher etwas nicht stimmt. Andere Schleier dagegen kommen so gut wie gar nicht vor. Man fragt sich zumindest, ob selbst im heißen Capua die ganzen nackten Mädchen nicht manchmal frösteln und wieso die immer oben ohne zum Wasser holen laufen müssen.

Aber fangen wir einfach mal von vorne an. Man hat sich ja in den letzten Jahren – leider – dran gewöhnt, dass auch die dünnste Story noch was hergibt, solange die Bilder aus schön vielen bunten Pixeln bestehen. Spartacus, in der ersten Staffel gespielt von Andy Whitfield, ist da keine Ausnahme, denn die Handlung ist nicht wirklich überraschend gestrickt. Unser Held, der brave Thraker Spartacus, der ja eigentlich nur ein bisschen seine Heimat verteidigen wollte, lehnt sich gegen seinen römischen Chef auf, als der ihn von der Bürgerwehr von Thrakien abziehen will, um ihn gegen einen König zu schicken, der Spartacus gar nichts angeht.

Prompt wird Spartacus von den Römern zur Strafe verschleppt, seine Frau Sura (Erin Cummings war jung und brauchte das Geld) wird mit blutiger Nase seinen Armen entrissen und Spartacus landet im Bootcamp für antike California Dreamboys.

Hier wird er natürlich erstmal zum Mopfer, also zum Mobbing-Opfer. Sein schlimmster Feind ist der erste Kämpfer Crixus (Manu Bennett), der gallische Pornohengst. Crixus der Gallier, als Kind in die Miracoli-Soße gefallen, beglückt regelmäßig die Domina (so hießen die damals wirklich), liebt aber die Sklavin Naevia, aber auch hier pfuschen die Römer gewaltig dazwischen. Jetzt haben Spartacus, der alte Romantiker, und Crixus beide ein gebrochenes Herz und so viel Leid schweißt zusammen. Spartacus und Crixus führen also die muskulösen Nebendarsteller in die Schlacht gegen die intriganten Römer und wer danach noch lebt, darf in der zweiten Staffel weiterhin durch künstliche Blutlachen schlittern.

Fazit: Bei „Spartacus: Blood and Sand“ bleiben viele Fragen offen. Zum Beispiel, wie die Gladiatoren allein von ungesäuertem Fladenbrot solche Muckis aufbauen konnten. Oder: Hatten diese riesigen römischen Badebecken eigentlich Stöpsel, oder wie haben die das Wasser abgelassen? Und was wäre passiert, wäre – ähnlich wie bei „Das Gespenst von Canterville“ – die rote Farbe für die Blutflecken ausgegangen?

Fragen über Fragen, die Spartacus mir leider nicht beantworten konnte. Aber eines habe ich bei der Serie gelernt: Friedlicher Widerstand geht anders! Und Sätze wie „Tiberius, ich will zum Ende kommen, schieb mir den ******* in den *******!“ entsprechen auch nicht unbedingt dem Bild von den Römern, das mir im Lateinunterricht vermittelt wurde. Man würde den Darstellern wünschen, dass sie selbst ein wenig freiwillige Selbstkontrolle ausüben dürften, aber ich nehme an, die Macht der Quote war stärker. Schade ums Thema.