Selbstschutzmechanismen für freie Kreative!

Die Odyssee

Liebe Leser!

Jetzt hab ich vergessen, was ich schreiben wollte. Gerade wusste ich es noch. Moment, ich geh eben Kaffee kochen…

*schüpp* *broddelbroddel* *schlorp* *ahhhh!*

Stimme aus dem Off: Wird’s denn gehen, Frau Groka?

Muss, nä? Muss!

So, also. Rein in die Materie! Die Sache ist die. Die Kunst ist ja ein hartes Brot, aber man selber wird ja betriebsblind, wenn man den ganzen Tag hin und her hetzt, doofe Texte für Geld schreibt, sinnlose Bilder aus Berufung malt, sich über Cartoons kaputt lacht die man niemals zeichnen wird und schon wieder spülen muss. Der Tag ist einfach zu kurz und die To-Do-Liste zu lang. Und das JEDEN Tag. Da vergisst man dann schon mal, dass man ja „Künstler“ ist und ein wahnsinnig aufregendes Leben führt, weil – wann muss eigentlich die Mülltonne an die Straße? War das diese Woche?

Künstler sind eben schwerst verpeilte Menschen, die oft gar nicht wissen, dass sie Künstler sind. Ich gehe zum Beispiel davon aus, dass ein Großteil meiner Leser ebenfalls ( unbewusst? ) zu dieser Spezies gehört, sonst würden sie diesen Schwachsinn hier ja gar nicht lesen. Und nun stelle ich Euch die Frage: Sind wir nicht alle verirrte Pinguine, die das Gefühl haben, am falschen Strand zu sein? Wenn Du jetzt begeistert nickst oder trübsinnig jammerst: „Jaja…“, solltest Du über eine Professionalisierung Deines Talents nachdenken. Das bringt Dir zwar nichts ein, macht das Leben aber irgendwie…anders. Als Fachfrau für sinnlosen Lebenswandel habe ich Dir folgende Ratschläge zusammen gestellt:

Orientiere Dich an denen, die es besser können!

Wenn Du zufällig mal einen Tag hast, an dem Du das Gefühl hast, mühelos über Dich hinaus wachsen und einfach alles schaffen zu können, dann sieh Dir die Arbeiten von Meistern Deines Fachs an. Versuche, Deine eigenen Ideen genau so faszinierend und gekonnt umzusetzen wie Deine Idole!

Orientiere Dich an denen, die es schlechter können!

Wenn Du am folgenden Tag völlig deprimiert bist und Dich für einen unfähigen Vollhorst hältst, sieh Dir an, mit was Kollegen Deiner Zunft sich voller Selbstvertrauen und ohne jeden Selbstzweifel an die Öffentlichkeit wagen. Das Internet ist die perfekte Quelle. Hier findest Du stolz grinsende Musiker, die keinen Akkord greifen können, Texte, die kein Prädikat und Gemälde, die sich im Auge anfühlen wie eine Bindehautentzündung. Die Welt ist groß und viele Künstler sind schlechter als Du!

Erde Dich mit einem Brotjob!

Ein Brotjob erfüllt nicht nur den Zweck, Dir in schlaflosen Nächten beim Rechnen ein bisschen Luft zu verschaffen. Die Aufstiegschancen von Tellerwäschern sind hinlänglich bekannt, vor allem aber sind Nebenjobs eine immerwährende Quelle der Inspiration. Denn wenn Du unter Menschen kommst, bekommst Du immer gratis alles, was ein Künstler braucht: Klatsch und Tratsch!

Übernimm Verantwortung!

Je kreativer der Mensch, umso größer die Selbstzweifel. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Um Dich selbst mit negativen Verstärkern zu konditionieren solltest Du eine Familie gründen. Wenn Du keinen findest, der dabei mitmacht, pflege Deine hinfälliger werdenden Eltern. Denn wenn der Stammhalter mal wieder einen Zettel aus der Schule mitbringt ( in unserem kostenlosen Bildungssystem bedeutet das immer, dass Du dem Kind Geld mitgeben musst ) oder Mutti mal wieder ihren Rollator geschrottet hat, kannst Du Dir den Luxus des Selbstzweifels nicht leisten. Dann MUSST Du Dich um Dein Marketing kümmern!

Härte Dich appppppppp!

Als sensible Künstlerseele bist Du natürlich sehr empfindsam und neigst dazu, Kritik an Deiner Arbeit als Futter für neue Selbstzerfleischungsorgien zu verwenden. Im Kulturbetrieb überleben aber nicht die, die gut sind, sondern die, denen das egal ist. Bevor Du Literaturagenten oder Galeristen devot Deine Arbeit zur Begutachtung überreichst oder Demobänder verschickst, solltest Du kalte Duschen nehmen und Dir selbst die übelsten Verrisse schreiben. Und glaub mir: Die Verrisse von denen, die mit Deiner Kunst Geld machen wollen, werden noch schlimmer sein! Du bist eine Ware. Also gewöhn Dich dran.

Mache eine Hungerkur

Beweise Dir selbst, mit wie wenig am Tag Du eigentlich auskommen kannst. Kartoffeln sollen ja ganz gut sein, um ohne Skorbut über die Runden zu kommen. Überzeuge Dich selbst davon, wie lecker es ist, am Hungertuch zu nagen. Das wird Dir die Kraft geben, endlich den Roman zu schreiben oder die letzten Münzen aus der Hosentasche für Material auszugeben. Wer braucht schon Essen! Denke immer daran:

Künstler arbeiten oft umsonst, aber nie vergebens! Hehe!

So. Für weitere sinnlose Tipps dürft Ihr gern die Kommentarfunktion nutzen!

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2 Kommentare zu “Selbstschutzmechanismen für freie Kreative!

  1. Es war einmal ein Mann, der trug sieben verschiedene Masken, für jeden Tag der Woche eine. Wenn er morgens aufstand, bedeckte er sich immer unverzüglich sein Gesicht mit einer seiner Masken. Sodann kleidete er sich an und ging zur Arbeit aus dem Haus. Er lebte auf diese Weise, ohne jemals irgendjemandem sein wahres Gesicht zu zeigen. Doch eines Nachts, während er fest schlief, stahl ihm ein Dieb seine sieben Masken. Als er aufwachte und den Diebstahl feststellte, schrie er völlig kopflos: „Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ Dann rannte er auf der Suche nach seinen Masken durch alle Straßen der Stadt. Die Leute sahen ihn wild gestikulieren, fluchen und die ganze Welt mit den schlimmsten Schicksalsschlägen bedrohen, wenn er nicht seine Masken wieder finden könne. Den ganzen Tag verbrachte er damit, nach dem Dieb zu suchen, aber es war alles umsonst. Verzweifelt und untröstlich brach er zusammen und weinte wie ein kleines Kind. Die Leute versuchten ihn zu trösten, aber nichts konnte ihm aus seinem Unglück helfen. Da kam eine Frau vorbei und fragte ihn: „Freund, was ist mit dir los? Warum weinst du so?“ Er hob den Kopf und gab mit erstickter Stimme zur Antwort: „Man hat mir meine Masken gestohlen und mit derart unverhülltem Gesicht fühle ich mich viel zu verletzbar.“ „Tröste dich,“ sagte sie, „schau mich an: Ich habe von Geburt an immer mein Gesicht gezeigt.“ Er sah sie lange an und erkannte, dass sie sehr schön war. Die Frau beugte sich zu ihm herab, lächelte ihm zu und trocknete ihm die Tränen ab. Da spürte dieser Mann zum ersten Mal in seinem Leben auf seinem Gesicht, wie wohl es tat, zärtlich berührt zu werden.

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