Richtig falschem Deutsch – Den Appendix

Hier ist jetzt kein Bild, weil das gerade zu dunkel ist zum Zeichnen. Ist aber vielleicht auch besser so.

Liebe Leser!

Ich weiß, ich müßte ja längst im Bett sein, aber ich hab gerade so einen Lauf und muss ja auch noch brav mein Alkoholfreies austrinken, nä? Und wo wir hier gerade so gemütlich zusammen sitzen, kann ich auch noch erzählen, was heute nicht mehr in meinen Zwischenspeicher paßte, bis der wieder leer war. Das war nämlich so. Meine Mitbewohnerin kam um die Ecke und hatte im Text einer alten Ballade einen Tippfehler gefunden. Der Satz lautete also:

„Als ich einst ging im Morgengrauen, kam ich an einem alten Baum“

Ja. Ähm. Vielleicht ist der Satz auch tatsächlich so gemeint, ist aber jetzt für einen Morgenmuffel wie mich nicht sooo nachvollziehbar. Und, also, ich mag Bäume schon sehr, aber eben nicht auf die Art…einerlei! Wir lachten uns kurz kaputt, dann wurde diszipliniert weiter gearbeitet. Dann hatte ich aber gerade meinen kleinen daily walk und schalönderte so in Richtung Altstadt, da stehen da Bäume. Und – das ist mal wieder voll peinlich – aber mich überkam ein präpubertärer Lachanfall. Ich fragte also einen Baum: „Ist das ein Stamm oder freust Du Dich so, mich zu sehen?“. Voll albern. Wir hatten da nämlich letztens wegen…ich weiß gar nicht mehr, Commander Mc Lane oder Humphrey Bogard? Irgendjemand hatte eine Kanone, als wir gerade…äh…die Profis guckten? Ich bin verwirrt, auf jeden Fall hatten wir gerätselt, welcher Depp mit diesem unsäglichen Satz eigentlich angefangen hatte. Und jetzt mußte der arme Baum sich den anhören, weil Frau Groka mal wieder albern war!

Dann fiel mir aber ein…soll ich das wirklich erzählen? Äh…weil, ich hab doch mal was viel schlimmeres verbrochen als „Ich kam an einem Baum.“ Das war nämlich so. Ich war jung und brauchte das Geld und, äh, also, ich hatte da einen Brotjob in so einem Schreibwarendiscounter und saß da mehrmals in der Woche von 10 bis 20 Uhr in dieser engen Kasse eingeklemmt. Damals schon schwante mir, dass ich ein verkantetes Genie bin, aber das nur nebenbei.

Besorgt hatte mir den Job mein alter Kumpel, der Herr W., der dann später zum Walter Matthau des deutschen Autorenkinos avancierte. Und der Herr W. und ich – wir haben immer gerne falschen Deutsch. Also, gesprochen. Leidenschaftlich gern. Ausufernd bisweilen. Und Herr W. gehörte eigentlich ins Lager, also, nicht ins Gulag ( „Wollen Sie Gulag durch Gulasch ersetzen?“ – hat mich mal ein Rechtschreibprüfprogramm gefragt, ich schwör mit Blut! ), also…wo war ich denn jetzt?

Ihr müßt mir verzeihen, liebe Leser, aber ich bin heute so absurd, ich lieg schon wieder vor Lachen unterm Schreibtisch und weiß gar nicht, warum…also, der Herr W. kam dann immer längsseits, um mich zu bespaßen, was sehr galant war. Alte Schule eben. Immerzu rief er „Ich komm gleich zu Sie!“ oder „Kann ich Sie helfen?“ – watt man halt so sacht, wenn man als Ladenfrollein reüssiert. Auf jeden Fall machte der W. mich ganz kolone in der Rübe.

Und dann kam da dieser, ja, ich sag mal „ältere Herr“, ein angegrautes Semester eben, und ich, jung und naiv!, sitz da eingeklemmt in meiner Kasse und denk „Ach guck ma, der arme Oppa sieht ganz verwirrt aus!“ und dann ruft die Frau Groka lauthals quer durch den Laden: „SIE KÖNNEN AUCH HIER KOMMEN!“

*schäääääm*

Na gut, morgen mal ich euch ein Bildchen, wie die Frau Groka dann da saß, in dem knallroten Poloshirt mit dieser „Tragen Sie hier den bürgerlichen Namen von der ungekämmten Frau ein!“-Plastikbrosche ( Sie sprechen mit Frau Groka ) und der knallroten Murmel. Ich bete bis heute, dass der Herr kein Psychoanalytiker war! Mir fällt jetzt auch wieder ein, dass Freud in seinem Buch über die Fehlleistungen von dem jungverheirateten Paar berichtet, wo der Mann doch glattwech immer die Puderquaste seiner Frau benutzte, bis sie vorwurfsvoll ausrief: „Du hast mich schon wieder mit Deinem Quast gepudert!“

Leute, ich sag euch – lasst die Fingers wech von der Sprache, das kann nach hinten losgehen!

Und morgen reden wir wieder über ganz ernste Themen. Versprochen.

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