Ich hab Knie!

Weltbeste Leserschaft!

Boar, ich kann euch sagen…ich weiß gar nicht, von welcher Katastrophe ich zuerst erzählen soll. Ich habe schon erwähnt, dass wir in diesem Frühjahr umziehen, und dieses Mal hab ich ja einen heiligen Eid abgelegt, dass ich rechtzeitig anfange auszumisten und keinen sinnlosen Trödel mit zu schleppen. Soll ich jetzt von der absurden Recherche erzählen, ob die Fürstenberg-Kaffeekanne aus dem Keller was wert ist? Oder von den 97 alleinstehenden bunten Kindersocken, die trotz intensivster Bemühungen meinerseits ihren Partner nicht mehr finden? Was mach ich denn jetzt damit? Und dann stapfte auch noch mitten im größten Chaos UNANGEMELDET ein türkisches Ehepaar hier rein, um meine Wohnung zu besichtigen! Die waren so unfreundlich, dass mir einfiel, dass ich ja eine Ungläubige bin… *schluck*

Das schlimmste aber ist – ich hab Knie! Ich glaub, 437 % aller Deutschen sind ja wetterfühlig. 238 % davon bin ich. Ausgerechnet jetzt, wo ich sämtliche Zeitschriften, die ich irgendwann mal lesen wollte, zum Container schleppe und hinter den Kühlschrank gefallenen Toastscheiben hinterher krieche. Weil – draußen is‘ feucht.

Also, geknackt haben meine Knochen ja immer schon, ich weiß gar nicht, wie die das machen, aber – klingt wie Lagerfeuer. *knister* Deshalb bin ich auch nicht als Angehörige eines Naturvolks auf die Welt gekommen, ich kann mich nicht lautlos anschleichen. *knack* Wenn ich jagen müßte, würde ich elendig verhungern.

Jetzt hab ich aber gestern zur Erbauung „Stolz und Vorurteil“ geguckt. Ich gestehe, Jane Austens Bücher hauen mich jetzt nicht sooo um, ich les ja lieber vom Wahn getriebene Russen, oder einen ausufernden Balzac, oder – wenn schon britisch – den großartigen Thomas Hardy, oder Wilkie Collins, oder Thackeray… *seufz*

Bei Jane Austen aber haben es mir die Verfilmungen angetan. Ich kenn sie ALLE, hehe! Augenweide und Labsal für die geschundene Künstlerseele! Wenn dann da alle im Salon rumstehen, und dann sagen die Herren so Sachen wie „Ich hatte das Vergnügen, die Briefe zu erhalten, die Sie die freundliche Güte hatten, mir zukommen zu lassen.“ Und natürlich sagt Mr. Darcy „Ich liebe Sie; auf das Glühendste!“ Ganz großes Kino, und ich möchte dem Synchronsprecher, der ein Semikolon auszusprechen versteht, meine Bewunderung ausdrücken.

Jetzt hab ich aber heute Nacht die Szene, in der Mr. Bingley den Salon betritt und alle anwesenden Damen synchron aufstehen, mitgenommen in den Traum. Für alle, die es nicht wissen: Mr. Bingley ist unverheiratet und hat fünftausend im Jahr! Ich bin immer völlig fasziniert davon, dass die gesamte Grafschaft weiß, wieviel Pfund die Herren im Jahr haben. Ich weiß ja noch nicht mal, wieviel Pfund ich im Jahr zunehme!

Auf jeden Fall saß ich da im Traum im Salon, in diesem traumhaften Fummel im Empirestil, Miss Lydia schrie „Mr. Bingley, Mr. Bingley!“ und ich wußte, wenn der Knaller jetzt reinkommt und ich mich anmutig erheben soll, komm ich mit meinen knirschenden Gummiknien nicht hoch. Was für ein Albtraum!

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