Rezept für fundamentalistische Marzipankartoffeln

Hier wäre ein Bild gewesen, hätte ich das Motiv

nicht vorher aufgegessen.

Liebe Leser! Heute muss ich mal meine politische Verwirrung mit euch teilen. Wie so oft im Leben fing alles ganz harmlos an. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mein Weihnachtsmarzipan selber herzustellen, weil – selber gemacht schmeckt immer besser, und dann weiß man ja dann auch, was drin ist. Im Prinzip esse ich ja ganz gerne mal Konservierungsstoffe, in der Hoffnung, dass ich mich dann besser halte, und Antioxidantien können bei meiner feuchten Wohnung ja auch nicht verkehrt sein, schließlich will ich keinen Rost ansetzen. Aber bei der Marzipanmenge, die ich eben gern verputze, dachte ich, hmmm, zu viele Konservierungstoffe auf einmal, dann seh ich hinterher aus wie 11 und darf nicht ins Kino, wenn Filme ab 12 laufen.

Deswegen habe ich mich, nicht faul, an den Rechner geschwungen und ergoogelt, dass ich Rosenwasser brauche. Im Rezept steht in solchen Fällen: ( Apotheke ).

Jetzt hab ich aber gedacht, nee, die packen mir dann hinterher die Apothekenumschau ein, und dann les ich noch, welche Krankheiten ich alle habe, ohne davon gewußt zu haben, da bin ich lieber unwissend. Und wenn die mich dann fragen „Haben Sie ein Rezept?“ Was soll ich denn dann sagen? „Ja, warten Sie, 200 gr gemahlene Mandeln, 150 gr Puderzucker…“

Also hab ich gedacht, haha, ich bin clever, ich geh einfach zum Türken. Aber genau da geht die Misere ja schon los! Darf man das überhaupt noch sagen? Zum Türken? Oder muss ich zum Gemüsehändler mit Migrationshintergrund?

Jetzt hatte ich auch noch dummerweise kurz vorher auf einer, äh, nennen wir sie „etwas einseitigen“ Blogseite, Auszüge aus dem Koran gelesen, aus denen hervorging, dass jeder gläubige Muslime dazu aufgerufen ist, Ungläubigen ( also mir? Waaaah! ), den Schädel einzuschlagen. „Das glaub ich nicht!“, wollte ich ausrufen, dann fiel mir aber ein, dass ich damit ja meine Ungläubigkeit noch unterstreiche! Ich schäm mich ja heute noch so für das, was „unsere“ Kreuzritter alles angestellt haben, dass ich anderen gar nichts böses unterstellen mag. So. Die Meinungsmache im Netz klärte mich aber auch darüber auf, dass man immer wieder hört „Mein Schwager ist auch Moslem, der ist aber trotzdem nett!“, aber das – ist ein Trick! Meinte zumindest der zuständige Blogger. Ein gläubiger Anhänger des Koran könne mich nur scheiße finden und ist nett zu mir, damit er mir den Schädel einschlagen kann, wenn ich gerade mal nicht hingucke. Hm. Also, wenn ich jetzt mal von mir ausgehe, von meinem kleinen, bescheidenen Blickwinkel, mit meiner christlich-abendländischen Prägung und der katholischen Grundschule,(  die ich übrigens erfolgreich abgeschlossen habe ) – in der Bibel steht ja zum Beispiel irgendwo, dass Zöllner Vollspacken sind. Also, Jesus hat irgendwie gesagt „Zöllner sind doof!“, oder irgendwie sowas. Fahre ich deswegen an meinem freien Tag an die Grenze und streck denen die Zunge raus?

Ich also, total verstört, zack! – mit meinem gefährlichen Halbwissen bewaffnet – rein in den Gemüseladen. „Guten Tach, ich brauch Rosenwasser!“ Also, ich muss sagen, der Gemüsemann war netter als die gestreßten Mädels in meinem „Discounter“. Er hat mir sogar für die Tomaten ein Tütchen von der Rolle gefriemelt. Hätte ich jetzt sagen sollen „Das machen Sie doch nur, damit Sie mir den Schädel einschlagen können, Sie Schuft!“? Der Mann wäre ja völlig verwirrt gewesen – zu Recht! Wahrscheinlich hat er sogar den Koran so wenig gelesen wie ich die Bibel!

Zuhause angekommen stellte ich dann fest, dass mein frisch erworbenes Rosenwasser aus dem Libanon kommt. Und – ungelogen – ich war so verstrahlt, ich hab dann erstmal gegoogelt, welche Wirtschaft ich da mit meinen Zwei Euro Fuffzich unterstützt hab… Politik macht mich fertig. So fertig, dass ich alle Marzipankartoffeln sofort aufgegessen habe.

Ach so, wer das ganze Drama nachempfinden will:

Man verknete 200 gr gemahlene Mandeln mit 150 – 200 gr Puderzucker ( je nach Geschmack ) und einem Esslöffel Rosenwasser. Man kann dann kleckerweise noch ein paar Tropfen Wasser dazu tun, falls es zu bröselig ist. Schon feddich! Geht ganz einfach. Fühlt sich an wie Holzmodelliermasse, lässt sich auch so verarbeiten, schmeckt aber nicht so. Wenn, nee, falls dann beim Finger sauber nagen noch was überbleibt, einfach putzige Erdäppels kneten und in Kakao wälzen, aufessen.

Egal. Für mich steht jedenfalls fest: Ich guck Weihnachten keine Nachrichten. Nur Buntfilme.

Eine Frage hab ich aber noch zum Thema! Wenn Selbstmordattentäter im, heißt das Himmel?, im Jenseits 72 Jungfrauen bekommen, was bekommen dann SelbstmordattentäterINNEN? California Dreamboys? Strippende Cops? Ich mein, das wär ja schonmal ein Grund mehr, sich nicht in die Luft zu sprengen…

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2 Kommentare zu “Rezept für fundamentalistische Marzipankartoffeln

  1. Hier noch ein Gedanke zum Selbstmordattentäterparadies – da ist man dann ja in alle Ewigkeit. Und in alle Ewigkeit nur 72 Jungfrauen – äh – dings … (Nach einmal „dings“ ist sie ja keine mehr) – also bis in alle Ewigkeit nur 72 mal . Das muss man sich schon ordentlich einteilen. Ein weiterer Grund, sich nicht in die Luft zu sprengen.

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