Nr 10: Schatzi, Herr Vargas, und ich…

Mann, Mann, Mann – noch nicht mal Mittag und ich könnt schon Krimi gucken und app im Bett! Was für ein Tag.

Also, zuerst mußte ich so früh raus in die echte Welt, dass ich mich in meine Hauptrolle in dem Splatter-Movie „Ein Zombie hängt am Kaffeetropf“ gar nicht richtig einfühlen konnte. Ganz großes Autorenkino, das mach ich eigentlich erstmal jeden Morgen.

Heute stand ich dann aber schon vorher an der Bushaltestelle. Dann hab ich alles getan, was eine Frau tun muss, und wollte wieder nach hause. Und dann hab ich so gedacht: Da lauf ich doch einfach durch den Wald zurück ins Grummelkontor, weil – ich bin ja ein naturverbundener Mensch und gesundheitsbewußt bin ich auch. Also, ich hatte den Bus verpaßt.

Und dann stapf ich da so im Morgennebel durch den Wald, lasse vor mir selbst meine humanistische Bildung raushängen und murmel gerade „Es ist so schwül, und dumpfig hie…“ – kommt da dieser riesen Hund an! Stockmaß 2,40 m, ich schwör mit Blut!

Nur, dass hier keine Missverständnisse aufkommen: Ich hab keine Angst vor Hunden. Mir sind nur generell Leute suspekt, die auf Kommandos hören und tun, was man ihnen sagt, ohne das zu hinterfragen.

Ja, und dieser Hund baute sich vor mir auf und schnupperte hochnot angeregt an dem appen Knopf von meiner interessanten Künstlerjacke. Oder, eher da, wo der Knopf mal war. Keine Ahnung, wo der jetzt ist, aber ich mach mir da keine Sorgen, im Universum kann Materie nicht verschwinden, deshalb wird er schon irgendwo sein.

Ja, also, auf jeden Fall standen wir dann da so. Der Hund und ich. Und standen.

Dann kam der Oppa längsseits, der zu dem Hund gehört. Und er rief: „Schatzi, is kein Leckerchen!“

Und ich – denn ich bin ja nun auch nicht gerade auf den Mund gefallen – sprach: „Äh, nö.“

Dann trennten sich unsere Wege. Was eine unglaublich bescheuerte Redensart ist. Denn die Wege bleiben ja immer da, wo sie sind. Die können sich ja gar nicht trennen! Selbst, wenn sie wollten! Also, wenn jetzt der eine Weg an der Kreuzung sagt: „Ich verlasse dich! Ich zieh zu meiner Mutter!“, dann sagt der andere Weg doch nur „Jaja. Dann geh mal schön, hehe!“

Aber ich schweife ab. Das alles war jetzt nur eine Finte, und ihr seid da voll drauf reingefallen, gebt’s zu! Das echte Daily Painting für heute ist nämlich das hier:

So. Das ist der Herr Vargas Llosa. Der Herr Vargas Llosa ist Schriftsteller und hat gestern den Literatur-Nobelpreis bekommen. Ich hörte das im Morgengrauen im Radio und dachte: „Oh, neeeee… Schon wieder so ein lateinamerikanischer Literatur-Macho! Warum nicht ich? Wie soll ich das all den Lesern erklären, die meine Heftchen gekauft haben und mir immer Mails schicken: Wann kriegen Sie denn jetzt endlich den Nobelpreis!?“

Weil – meine Leser wollen ja eine Wertsteigerung für ihre Zwergenpresse-Werke erreichen und auf Partys erzählen, dass sie mich schon kannten, bevor ich berühmt war. Also, ich mein, da hätte dann doch jeder was davon, wenn ich den Preis kriege. Ich würde dann auch nicht persönlich kommen, um den entgegen zu nehmen, sondern Igor schicken. Mit einem Köfferchen, für das Geld. Igor ist schließlich der einzige von uns, der was gescheites zum Anziehen hat. Aber vielleicht haben die in Stockholm gar nicht meine Nummer? Oder sitzen die in Oslo? Nicht, das ich mich jetzt vertue mit diesem Grand Prix de la Dingens, Chanson.

Einerlei! Ich hatte also den Gedanken, einfach mal zu googeln, wie der Herr Vargas als zorniger junger Mann aussah. Weil, diese Latinos, die sind ja nicht ohne! Außer vielleicht, sie heißen Maradona, aber das tut jetzt hier nichts zur Sache.

Ich googelte also, und stellte fest: Mensch, der sah ja aus wie eine Mischung aus dem jungen Elvis und Lugosi! Bela Presley als Kommunarde, guck an!

Und ich schritt hinüber zu meiner Hausbibliothek, zog „Das grüne Haus“ von dem Herrn Vargas aus dem Regal und fand eine Elvis-Sammelkarte, die ich mir als junges Ding auf Seite 39 da reingesteckt hatte, um später weiter zu lesen. Das ist jetzt zwanzig Jahre her. Tja. Ist wohl besser, ich fang nochmal von vorne an.

Aber wieso Elvis? Wußte mein jüngeres Ich, was ich zwanzig Jahre später googeln und denken würde? Wußte mein jüngeres Ich schon, dass es Google einmal geben würde? Höhere Wesen? Seid ihr das? *tast* *stolper*

Jetzt weiß ich, was los ist! Ich hatte heute noch keinen Kaffee!!!

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